St. Andreas, Lebenstedt



Eine Dorfkirche, die zur Stadtkirche wurde
Eine kleine Idylle im Kern des modernen Lebenstedt ist das „Alte Dorf“ und in dessen Mitte die auf dem Thieberg etwas erhöht liegende, baumumstandene St. Andreas-Kirche. „Hier finden alljährlich viele Trauungen, auch von außerhalb der Gemeinde, statt“, erzählt Propst Kuklik, „weil die Andreas Kirche die schönste Kirche in der Innenstadt ist.“ „Sie ist jedenfalls das, was man sich unter einer richtigen Kirche vorstellt“, ergänzt Renate Bares, Vorsitzende des Kirchenvorstandes.
Tatsächlich empfängt einen der 1859 auf den Grundmauern der Vorgängerkirche errichtete Kirchenbau in der Form einer nach Osten ausgerichteten Rechteckkirche mit Apsis und einheitlich kreuzförmigen Grundriss, womit sie den auf einem Eisenacher Kirchentag 1861 erstellten Regulativ für damalige Kirchenbauten entspricht. Man kann sich gut vorstellen, dass Brautpaare diese Kirche gerne durch den viereckigen Turm mit dem achteckigen Dach unter der runden Turmkapsel (unter diesem Aufbau verbirgt sich eine Zahlensymbolik, verrät Propst Kuklik) betreten und auf dem roten Teppich vorbei an den vier bunten Glasfenstern mit biblischen Motiven zum Altar in der Apsis schreiten, bis sie unter dem großen, runden Kronleuchter zum Stehen kommen, der 1909 zum 50-jährigen Bestehen der Kirche gestiftet wurde, um dort den kirchlichen Segen für ihre Ehe zu empfangen. In der Apsis über dem Altar erhebt sich ein vierteiliges buntes, modernes Kirchenfenster. Jeweils vier Bilder stehen unter den Symbolen der Trinität (Hand, Kreuz, Taube).
Nach der 1964 durchgeführten Renovierung der Kirche, bei der Emporen und ein Kanzelaltar aus der Kirche entfernt wurden, verblieben weitere 1909 gestiftete Teile der Innenausstattung in der Kirche, wie das Taufbecken und das auf dem Altar stehende Kruzifix mit seiner heute kurios anmutenden Inschrift: "gestiftet…von den Jungfrauen der Gemeinde…".
Ursula Schauer, Küsterin und Mitglied des Kirchenvorstandes, weist auf die neue Vitrine für die „vasa sacra“ (gottesdienstliche Gerätschaften) hin, die man in diesem Jahr im Zuge der Innenrenovierung aufgestellt neben der Apsis aufgestellt hat.
Die Gemeinde mit ihren heute 1100 Mitgliedern hat in den letzten knapp 100 Jahren eine starke Verwandlung von Dorfgemeinde zu einer Innenstadtgemeinde erfahren. „Bei den Sonntagsgottesdiensten ist der Kirchenvorstand meistens beschlussfähig“, schmunzelt Propst Kuklik, was aber so viel bedeutet, „dass das Gottesdienstleben durch seine gewählten Mitglieder mitgetragen wird“, ergänzt Renate Bares. Die ½ Pfarrstelle ist heute an das Propstamt gekoppelt und auch die Propsteikantorin hat hier ihre Anbindung. Räume des Gemeindehauses sind an die Diakonie vermietet, mit der man so in sehr guter Nachbarschaft lebt.

Susanne Diestelmann