St. Georg, Osterlinde -
Marienaltar, Musik und gelebte Ökumene


Nichts lenkt nach dem Betreten der kleinen, auf einem Hügel gelegenen Osterlinder Kirche mit dem wuchtigen Wehrturm den Blick von dem gotischen Flügelaltar weg. Seit Juni 2000 steht er wieder an seinem ursprünglichen Platz. Seine Rückführung aus dem Anton Ulrich-Museum verdankt er ähnlich, wie das Retabel in Salder, engagierten Gemeindegliedern und Pastoren, die den Nachweis erbringen konnten, dass der Eigentumsanspruch nie aufgegeben worden war. In Aufbau und Ausführung der Figuren ähnelt der Altar auch stark an den aus der Schlosskirche Salder: hier in Osterlinde bilden die gekrönte Maria und der erhöhte Jesus, flankiert vom Heiligen Georg mit besiegtem Drachen und einem nicht zuzuordnenden Bischof die Mitte, während auf den Flügeln die 12 Apostel mit ihren Insignien aufgestellt sind. Vielleicht musste der um 1450 gestiftete Marienaltar, dessen Erschaffer man nicht kennt, direkt nach der Reformation weichen, spätestens aber im Jahr 1744, als die Kirche mit der für viele unserer Kirchen typischen Altarwand mit Kanzel versehen wurde. Bei der Kirchenrenovierung in den sechziger Jahren wurde diese wieder entfernt und durch einen schlichten Altar ersetzt, über dem ein von Edmund Naumawitsch geschnitztes Kruzifix hing. Dieses hat nun seinen Platz an der südlichen Seitenwand gefunden.
„Osterlinde war immer Filialdorf von Westerlinde“, erzählt uns Pastor Matthias Bischoff, der heute den weiter angewachsenen Pfarrverband Westerlinde mit den Gemeinden Westerlinde, Osterlinde, Wartjenstedt und Binder betreut. Erst im 20. Jahrhundert wurde die heute etwa 250 Mitglieder zählende Gemeinde zur eigenständigen Kirchengemeinde. Wieder aber ist es gelungen, für die bevorstehende Kirchenvorstandswahl sechs Kandidaten aufzustellen. Einer davon ist der Landwirt Karl-Dietrich Bode, der schon seit 30 Jahre dem Kirchenvorstand angehört und in allen praktischen Dingen, sei es die Kirchenheizung, sei es der kirchliche Friedhof oder zum Advent das Aufhängen des Herrenhuter Sternes im Kirchenfenster „den Überblick hat und weiterleitet“, wie er sagt. Für die Vorbereitung des Gottesdienstes von der Versorgung der Paramente, Beschaffung des Blumenschmuckes bis zum Anzünden der Kerzen ist seit zwanzig Jahren Küsterin Käte Mühlenbruck zuständig.

Besonders viel Gewicht legt die kleine Gemeinde in der Budgetierung auf die Kirchenmusik. Da das Dorfgemeinschaftshaus über Miete für die Gemeindeaktivitäten genutzt werden kann und über die Kirche hinaus keine eigenen Räume erhalten werden müssen, kann man sich eine Organistin und eine musikalische Leiterin für den 3-stimmigen, seit 40 Jahren bestehenden Frauenchor leisten, dessen Seele die organisatorische Leiterin Irmgard Schmitz ehrenamtlich ist. „Das ist gelebte Ökumene“, hören wir, denn Frau Schmitz ist römisch-katholisch. Der Chor begleitet die Gemeinde, aber auch den Pfarrverband durch das Kirchenjahr, unter anderem mit  einem Konzert am 1. Advent und Auftritten zu Konfirmation, Weltgebetstagsgottesdienst und Waldgottesdienst.