Belebte Romanik bis in die Gegenwart



Wenn Günter Freutel durch die Kirche in Bruchmachtersen führt, kann dies durchaus ein Stündchen dauern – oder mehr. Denn der Ortsheimatpfleger, der in Bruchmachtersen geboren ist und sein ganzes Leben verbracht hat, kennt wohl jeden Stein und unendlich viele Geschichten über die kleine Kirche, die bereits 1182 das erste Mal urkundlich erwähnt wurde. Wir betreten die Kirche durch eine Tür in der Nordwand des rückgebauten Turmes, der sich als solcher heute kaum von dem quadratischen Kirchenschiff abhebt und erreichen durch eine weitere Tür zunächst den unter der Orgelempore befindlichen, durch eine Schiebewand von der Kirche abgetrennten kleinen Gemeindesaal. „Früher war hier ein Kartoffelkeller drin“, erzählt Günter Freutel. Jetzt gerade ist Sabine Jassat, die sich in einem der Frauenkreise und in der Kinderkirche engagiert, dabei, die Stühle wieder von den Tischen zu nehmen, nachdem sie gewischt hat. Vor ein paar Monaten hat sie den Raumpflegejob übernommen, mehr aus Engagement denn aus Notwendigkeit. Alle Gemeindegruppen – Seniorenkreis, zwei Frauengesprächsgruppen, Kinderkirche und Männerkochen – finden in dem knapp 20 qm großen Raum mit Küchenschrank statt, doch für besondere Anlässe, wie das alljährliche Osterfrühstück oder die Weihnachtsfeier der Senioren, wird die Trennwand geöffnet und die Kirche, deren Bänke sich gut bewegen lassen, mit einbezogen.

An das freundlich in weiß und rot gehaltene Kirchenschiff mit verputzter Balkendecke schließt sich im Osten ein ebenfalls quadratischer Chorraum mit Kreuzgewölbe an. Hinter dem schlichten Steinaltar zieht ein buntes Glasfenster den Blick auf sich, eine Abendmahlsdarstellung aus dem Jahr 1978 von dem Hamburger Künstler Klaus Wallner. Ein Platz ist frei – der des Judas, der den Raum bereits verlassen hat oder, wie es die Gemeinde auch versteht: eine Einladung, sich an den Tisch des Herrn zu setzen.

Herr Freutel erläutert uns die Besonderheiten, wie ein in das Mauerwerk eingelassenes Sakramentshäuschen, das bei der Sanierung der Kirche 1976 freigelegt und bewahrt wurde und die 1857 für die Kirche angeschaffte Kirchenuhr, die nur einen Zeiger für die Stunden besitzt. Zum Schluss lässt er es sich nicht nehmen, auf die „Kratzspuren“ hinzuweisen, die sich neben einer einstigen Tür an der Südwand finden. Schleifrillen, deren genaue Bedeutung nicht mehr zu ermitteln ist, die es aber unter anderem auch am Braunschweiger Dom gibt.

Susanne Diestelmann