St. Pankratius, Broistedt



St. Pankratius Broistedt – die Kirche des Eisheiligen
Pastor Claus-Dieter Sonnenberg ist Pfarrer eines Pfarrverbandes der Propstei Lebenstedt, dessen eine Kirchengemeinde Engelnstedt zu Salzgitter gehört, während zwei, Barbecke und Broistedt, im Landkreis Peine liegen. Broistedt war vor dem Großwerden des Erzbergbaus seit dem späten 19. Jahrhundert ein kleines Bauerndorf und besaß als solches schon seit den ersten urkundlichen Erwähnungen eine in unserer Region übliche Kirche mit Wehrturm, die zwar im Zuge der Zeit Erweiterungen, aber keine grundlegenden Veränderungen erfahren hat.
Die Kirche trägt den Namen eines der drei Eisheiligen – Pankratius – der, wie Pastor Sonnenberg erzählt, auch der Schutzheilige der neugekauften Dinge sein soll. Der wuchtige Kirchturm bestimmt mit seinen kleinen Schießscharten auch heute noch das Bild. Laut Inschrift wurde im Jahr 1787 die Eingangstür für die Kirche, nachdem der Turm nicht mehr als Fluchtturm benutzt werden musste, hierher verlegt. Im länglichen Kirchenraum finden wir eine schlicht gehaltene Altarwand aus dem 19. Jahrhundert vor, der Blick wird aber sofort von dem schwebenden, barocken Taufengel angezogen, den die Kirchengemeinde im Jahr 2009, wie bereits vorher im Jahr 2005 ein kostbares Kruzifix, von seinem Schattendasein auf dem Dachboden erlöste. Rund 15.000 Euro sammelte die Gemeinde für die Restaurierung, die dem Engel u.a. neue Flügel und eine neue Hand mit Taufschale verschaffte. Pastor Sonneberg demonstriert uns, wie der Himmelsbote an einer Zugvorrichtung aus seiner Höhe hinunter auf die Ebene der Taufhandlung gezogen werden kann. Und das geschieht in Broistedt sehr oft, wie das Taufrad an der Wand mit den unzähligen Namenszetteln zeigt. Broistedt ist eine Gemeinde mit vielen Neubaugebieten und dementsprechend hohem Anteil an jungen Familien, was sich auch in der Anzahl der Konfirmanden niederschlägt. Die Arbeit mit ihnen begleitet Bärbel Pape, stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes und „Mädchen für alles“, wie sie sich selbst scherzhaft bezeichnet, besonders gern und intensiv. Neben dem Gemeindepraktikum, in dem die Jugendlichen bei Kindergottesdienstarbeit, der Besuchsdienstgruppe und der Fotogruppe hospitieren, absolvieren sie einen Monat lang ein Bibelpraktikum, in dem sie Gemeindemitglieder zuhause besuchen und mit ihnen Bibeltexte studieren.
Miriam Breuer, ebenfalls Mitglied des Kirchenvorstandes, Küsterin und Mitarbeiterin in der monatlich stattfindenden Kinderkirche schlägt uns die Besichtigung des Uhrwerkes der aus dem Jahr 1883 stammenden Weule-Uhr vor, die zweimal in der Woche immer noch von Hand von einer Vertreterin der politischen Gemeinde aufgezogen werden muss. Wir steigen die Treppen im Turm hinauf und kommen an dem Blasebalg für die 1884 von der Orgelbaufirma Furtwängler und Hammer gebaute Orgel vorbei. Pastor Sonnenberg lässt diesen manchmal seine Konfirmanden zu Demonstration dessen, wie den Orgeln vor der Entdeckung der Elektrik der nötige Wind verschafft wurde, betätigen. Stolz ist die Kirchengemeinde auf eine Neuerung der letzten Jahre. Die völlige Barrierefreiheit wurde durch einen Lift an der Außentreppe zum Pfarr-und Gemeindehaus hergestellt.

Susanne Diestelmann