Die Kirche Binder - ein Kleinod am äußersten Zipfel der Propstei



Im Jahr 2015 feierte die Kirchengemeinde Binder das vierhundertjährige Bestehen ihres Kirchengebäudes auf dem Thieberg. „Das ganze Dorf feierte unten in der Scheune des Gutshofes mit“ erzählen die Kirchenvorsteher Jürgen Hartmann und  Horst Bode, die gleichzeitig für die Verwaltung des Friedhofes zuständig sind. Die kleine Saalkirche mit ihrer blau abgesetzten Balkendecke, die im Jahr 1615 von dem Patron der Kirche und Gutsbesitzer Wilhelm von Stopler anstelle der seit 1346 existierenden Kapelle erbaut wurde, besticht durch ihre Schlichtheit. Einziger Schmuck ist ein Altargemälde aus dem 17. Jahrhundert, das das Abendmahl darstellt und dem in einer Predella die Bilder der vier Evangelisten mit beigefügten Sprüchen zugefügt sind, die schlichte blau bemalte Kanzel, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert, ein an der Südwand befindliches Epitaph des Erbauers von Stopler mit einer Auferstehungsszene sowie zwei stark nachgedunkelte Ölbilder mit biblischen Motiven.

Schon 1750 gab es in der Kirche eine kleine einmanualige Orgel, die sich gegenwärtig in Hardegsen-Espol befindet, wo sie heute noch bespielt wird. Die heutige Orgel mit ihren sieben Registern und Pedalkoppel wurde 1866 durch den Orgelbaumeister Heinrich Schaper erbaut.

Hinter dem Altar befindet sich eine Empore über der Sakristei, die früher von dem jeweiligen Patron und seiner Familie zum Gottesdienstbesuch genutzt wurde. Sie konnte nur über eine Außentreppe  an der Ostwand der Kirche erreicht werden. „Die eignet sich natürlich hervor-ragend für die Auftritte der Weihnachtsengel beim Krippenspiel“, bemerkt Jürgen Hartmann schmunzelnd.

Für die Erhaltung der Kirche, die auf der Westseite des Daches ein viereckiges Glocken-türmchen mit achtseitigem Helm trägt, zeichnet die Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz verantwortlich.

Jutta Hartmann, Ehefrau von Jürgen Hartmann und Leiterin des Seniorenkreises, der sich regelmäßig in dem von der Gemeinde renovierten Saal im alten Schulgebäude trifft, erzählt stolz von dem aktiven Gemeindeleben in Binder. Die Kirchengemeinde zählt mit ihren 128 Mitgliedern zu den kleinsten Gemeinden in der Landeskirche und ist gar die kleinste in der Propstei. Doch der Gottesdienstbesuch ist ansehnlich, die Zusammenarbeit mit den Vereinen läuft gut und der Seniorenkreis mit oft 30-40 Besuchern ist zu einem zentralen Punkt im sozialen Leben des Dorfes geworden.

Susanne Diestelmann