Beddingen – eine Dorfkirche am „Tor zur Welt“

In Beddingen, dem „Tor der Welt“, wie die Bewohner ihr Dorf wegen der Hafenlage augenzwinkernd nennen, liegt die kleine erstmals um 1250 erwähnte St. Petri Kirche nicht mitten im Dorf, sondern ganz am Rand. Und auch eine Besonderheit ist, dass man erst an ihr vorbeigehen muss um sie hinten durch einen kleinen Vorraum im wuchtigen, quadratischen Turm zu betreten.
Nachdem wir eine Windfangtür passiert haben, bleiben wir gleich unter der Orgelempore stehen – denn hier soll hoffentlich noch in diesem Jahr der neue Gemeinderaum entstehen, wie uns Pastorin Ann-Kathrin Rieken erzählt. Im Moment finden die Gemeindegruppen noch in gemieteten Räumen im ehemaligen Pfarrhaus statt.
Man kann sich die geplante Gemeinderaum-Lösung sehr gut vorstellen, zumal man sie ja schon aus anderen Kirchen kennt – nicht zuletzt aus Üfingen, das zum Pfarrverband der Kanaldörfer gehört. Auch hier in Beddingen wird man mit dem Einbau einer durchsichtigen, beweglichen Trennwand den Innenraum-Eindruck der in hellen Pastellfarben gehaltenen kleinen Dorfkirche und den Blick auf die schlicht gehaltene Altarwand von 1906, sowie die Möglichkeit, bei stark besuchten Gottesdiensten die ganze Kirche zu nutzen, erhalten. Doch natürlich müssen auch Anschluss an die Kanalisation und Einbau einer Toilette geplant werden, hören wir von Kirchvorsteherin Dagmar Kriegel.
So werden hoffentlich der monatlich stattfindende Handarbeitskreis von Helga Warnecke, der sich alle zwei Wochen treffende Bibelkreis und das Geburtstagskaffeetrinken bald hierher umziehen können.
Auch für das Treffen des von Lisa und Helmut Czerkus geleiteten Seniorenkreises, der seit 1972 in guter Nachbarschaft zur Kirchengemeinde unabhängig existiert, und die gemeinsamen Aktionen der Kanaldörfer, wie Erntedank-Gottesdienst oder Weltgebetstag, die reihum geplant werden, wird dann genug Platz in der Kirche sein. Denn da gibt es ja auch noch die von Säulen gestützten Seitenemporen, die reichlich Platz bieten. Diese enden im Altarraum um dort noch Platz für die bunten Fenster zu lassen. Auf der linken Seite eine Darstellung der Heimkehr des verlorenen Sohnes aus dem Jahr 1906, auf der rechten Seite eine moderne, abstrakt gehaltene Interpretation zu dem „Guten Hirten“, die die Farbgebung des alten Fensters gegenüber aufnimmt.
Zuletzt soll nicht unerwähnt bleiben, was die Beddinger zu Recht mit Stolz erfüllt: 2007 konnte durch die Gründung eines Friedhofvereins, der innerhalb von vier Wochen 130 Mitglieder zählte, der Erhalt ihres kirchlichen Friedhofes gesichert werden. Im Laufe der letzten zehn Jahre hat dieser durch ehrenamtliche Arbeit und ausschließlich durch Mitgliederbeiträge und Spenden geleistete Investitionen ein der Würde des Ortes entsprechendes Bild erhalten.

Susanne Diestelmann